„In einer zunehmend digitalen Welt sind innovative Lösungen der Schlüssel zum Erfolg.“

Ein Satz, der überall stehen könnte. Auf der Website einer Werbeagentur, in einer Softwarebroschüre oder über dem Kontaktformular eines Handwerksbetriebs. Er klingt bedeutend, sagt aber erstaunlich wenig. Solche Texte begegnen mir immer wieder. Dazu Bilder, bei denen alles eine Spur zu perfekt aussieht: makellose Oberflächen, dramatisches Licht und Menschen, die offenbar schon beim Frühstück für eine Werbekampagne posieren.

Da liegt der Gedanke schnell nahe: Das kommt doch aus einer KI.

Natürlich lässt sich die Herkunft nicht zuverlässig an einer Formulierung oder einer Bildästhetik ablesen. Aber dieser austauschbare Eindruck ist ein Problem. Gerade dann, wenn du mit deinen Inhalten zeigen möchtest, was dich und deine Arbeit ausmacht. Gute KI-Prompts helfen, die Ergebnisse gezielter zu steuern. Entscheidend ist allerdings auch, was du anschließend daraus machst.

Was ist ein Prompt überhaupt?

Ein Prompt ist die Eingabe, mit der du einer KI eine Aufgabe gibst. Das kann eine Frage sein, eine kurze Anweisung oder ein ausführlicheres Briefing mit Beispielen und Hintergrundinformationen.

Du brauchst dafür weder Programmiersprache noch besondere Zauberwörter. Für den Einstieg reichen vier Fragen:

  • Was soll entstehen? Beispielsweise eine Kundenmail, ein Website-Text oder eine Bildidee.
  • Für wen ist es gedacht? Für Fachleute, bestehende Kunden oder Menschen ohne Vorwissen?
  • Welche Informationen braucht die KI? Fakten, Anlass, Besonderheiten und gegebenenfalls vorhandene Texte.
  • Wie soll das Ergebnis aussehen? Ton, Umfang, Aufbau und gewünschte nächste Handlung.

Auch Adobe beschreibt in seiner Einführung zum Schreiben von Prompts diese Verbindung aus Aufgabe, Kontext, Erwartungen und Format. Aus „Schreib etwas über unseren Betrieb“ wird damit ein brauchbares Briefing. Dafür muss der Prompt nicht möglichst lang sein. Er muss die Informationen enthalten, die für die Aufgabe wichtig sind.

Typische Fehler beim Generieren von KI-Texten

1. Eine allgemeine Aufgabe stellen und ein individuelles Ergebnis erwarten

„Schreib einen professionellen Text über meine Dienstleistungen.“

Das lässt sich beantworten. Allerdings fehlen fast alle Informationen, die den Text interessant machen könnten: Welche Dienstleistungen? Für welche Kunden? Was läuft bei dir anders? Und wo soll der Text erscheinen?

Ein konkreteres Beispiel:

Schreibe einen kurzen Website-Text für einen selbstständigen Webdesigner. Er spricht kleine Unternehmen an, die ihre bestehende Website überarbeiten lassen möchten. Wichtig sind ein persönlicher Ansprechpartner, verständliche Beratung und die Möglichkeit einer laufenden Betreuung. Schreibe in der Du-Ansprache, sachlich und unkompliziert. Etwa 150 Wörter. Verwende ausschließlich diese Angaben und erfinde keine Referenzen oder Leistungsversprechen.

Das Beispiel funktioniert natürlich nur, wenn diese Angaben tatsächlich zum Betrieb passen. Genau diese Vorarbeit kannst du der KI nicht vollständig abnehmen lassen.

2. „Schreib menschlich“ als vollständige Stilvorgabe verwenden

Der Wunsch ist verständlich. Aber was bedeutet „menschlich“? Locker? Zurückhaltend? Direkt? Mit Humor? Menschen schreiben schließlich sehr unterschiedlich. Beschreibe lieber, wie du selbst kommunizierst:

Schreibe so, wie ich einem interessierten Kunden im persönlichen Gespräch etwas erklären würde: direkt, freundlich und ohne Fachbegriffe, die eine Erklärung brauchen. Steige sofort ins Thema ein. Verwende konkrete Aussagen statt allgemeiner Werbeversprechen.

Noch hilfreicher kann ein eigener Text als Orientierung sein. Die Prompting-Dokumentation von OpenAI nennt Beispiele und relevanten Kontext als Möglichkeiten, die Ausgabe zu steuern. Gib dabei möglichst einen Text mit, der deinen Stil wirklich trifft. Eine beliebige fremde Vorlage bringt dich deiner eigenen Sprache kaum näher.

3. Floskeln akzeptieren, weil sie zunächst gut klingen

„Maßgeschneiderte Lösungen“, „höchste Qualität“ und „Leidenschaft für Innovation“ wirken auf den ersten Blick professionell. Nur erfährt der Leser dadurch wenig.Mein Vorschlag für die Überarbeitung: Prüfe, welche Sätze genauso auf der Website eines beliebigen Wettbewerbers stehen könnten.

Aus:

Wir bieten individuelle Lösungen und einen umfassenden Service.

könnte beispielsweise werden:

Du hast während des Projekts einen festen Ansprechpartner, mit dem du Inhalte, Gestaltung und offene Fragen direkt abstimmst.

Die zweite Aussage beschreibt etwas Greifbares. Vorausgesetzt, der Ablauf ist tatsächlich so.

Eine passende Rückfrage an die KI wäre:

Markiere allgemeine Werbeaussagen in diesem Text. Frage mich, welche konkreten Informationen du brauchst, um sie zu ersetzen. Erfinde keine Vorteile.

4. Der KI eine Rolle geben, aber kein Briefing

„Du bist der beste Werbetexter der Welt.“ Kann man schreiben. Nur weiß die KI danach immer noch nicht, was du anbietest oder warum jemand bei dir anfragen sollte. Eine Rolle kann die gewünschte Perspektive verdeutlichen. Die entscheidenden Angaben bleiben aber Thema, Zielgruppe, Fakten und Ziel. Für eine einfache Kundenmail brauchst du meist keine aufwendig inszenierte Expertenrolle.

5. Zu viele widersprüchliche Anforderungen sammeln

Der Text soll kurz sein, aber sämtliche Details enthalten. Locker und frech, gleichzeitig förmlich. Möglichst originell, aber bitte exakt wie die Vorlage. Hier lohnt es sich, zuerst die eigenen Prioritäten zu sortieren. Für eine kurze Ankündigung reichen vielleicht Anlass, Nutzen und Link. Ein ausführlicher Ratgeber braucht mehr Erklärung. Beides in denselben Text zu pressen macht ihn selten besser. Bei größeren Aufgaben würde ich schrittweise arbeiten: erst die Kernaussage klären, dann eine passende Struktur entwickeln und anschließend den Text formulieren. So kannst du die Richtung korrigieren, bevor du mehrere Seiten überarbeitest.

6. Persönliche Inhalte bestellen, ohne etwas Persönliches beizusteuern

„Schreibe einen persönlichen Beitrag über meine Arbeit.“ Wenn du keine Erfahrung, Beobachtung oder Haltung mitlieferst, fehlt die Grundlage dafür. Im ungünstigen Fall entstehen dann Geschichten, die plausibel klingen, aber nie passiert sind. Dabei brauchst du keinen fertigen Text. Ein paar ehrliche Stichpunkte reichen: Was fragen deine Kunden häufig? Was hat dich bei einem Projekt überrascht? Welche Entscheidung würdest du heute anders treffen?

Ergänze dazu:

Nutze nur die Erfahrungen, die ich dir genannt habe. Wenn für eine persönliche Passage Informationen fehlen, frage nach.

Gerade die kleinen konkreten Details geben einem Text eine eigene Stimme.

7. Mit „Mach es besser“ nachbessern

Was stört dich: der Einstieg, die Länge, die Wortwahl oder die Aussage? Je genauer dein Feedback ist, desto klarer wird die nächste Aufgabe:

Streiche den allgemeinen Einstieg und beginne mit der Kundenfrage aus dem dritten Absatz. Kürze Wiederholungen. Der letzte Absatz klingt zu werblich; formuliere ihn als sachliche Einladung zur Kontaktaufnahme.

Du musst nicht alles neu schreiben lassen. Wenn zwei Absätze funktionieren, darfst du sie behalten und nur die schwache Stelle überarbeiten.

8. Eine überzeugende Antwort für eine geprüfte Antwort halten

Ein Text kann flüssig geschrieben sein und trotzdem falsche Zahlen, erfundene Quellen oder unzutreffende Behauptungen enthalten. Solche plausibel klingenden Falschaussagen sind ein bekanntes Problem von Sprachmodellen, das unter anderem diese wissenschaftliche Übersicht zu Halluzinationen behandelt. Die Anweisung „Erfinde nichts“ ist sinnvoll. Eine Faktenprüfung ersetzt sie nicht. Öffne verlinkte Quellen selbst. Prüfe, ob dort tatsächlich steht, was im Text behauptet wird. Kontrolliere Namen, Termine und Leistungsangaben anhand deiner Unterlagen. Auch die Rückfrage „Bist du sicher?“ ist keine unabhängige Bestätigung.

9. Den ersten Entwurf direkt veröffentlichen

Ein brauchbarer Entwurf ist noch kein fertiger Beitrag. Lies ihn einmal laut. Würdest du diese Sätze einem Kunden gegenüber verwenden? Wiederholt der Text denselben Gedanken mehrfach? Verspricht er etwas, das du gar nicht anbietest? Streiche, ergänze und formuliere um. Du musst auch nicht jede geglättete Version akzeptieren: Manchmal passt dein ursprünglicher, etwas kantiger Satz besser als die nächste elegante Umschreibung.

Bildgenerierung: Warum „fotorealistisch“ allein nicht reicht

Bei Bildern gibt es ein ähnliches Problem. „Erstelle ein professionelles Bild für meine Website“ sagt wenig über das gewünschte Motiv aus. Auch Begriffe wie „fotorealistisch“ oder „hohe Qualität“ bestimmen noch nicht, welche Szene zu deinem Unternehmen passt. Dafür sind Motiv, Umgebung, Perspektive, Licht und Verwendungszweck hilfreicher. Adobe empfiehlt in seinen Hinweisen zu Bild-Prompts konkrete, beschreibende Formulierungen und eine gezielte Anpassung der Eingabe.

Zu viele Effekte und zu wenig Bildidee

Dramatisches Gegenlicht, leuchtende Partikel, extreme Tiefenunschärfe und glänzende Oberflächen können zusammen schnell überladen wirken. Überlege zuerst: Was soll das Bild vermitteln? Für einen bodenständigen Handwerksbetrieb könnte eine zurückhaltende Werkstattszene passender sein als ein spektakuläres Werbemotiv.

Statt:

Eine Werkstatt, fotorealistisch, spektakulär, perfekte Beleuchtung.

lieber:

Symbolbild einer kleinen Fahrradwerkstatt in Deutschland. Ein Fahrrad steht seitlich im Reparaturständer, im Hintergrund gebrauchte Werkzeuge und Ersatzteile. Weiches Tageslicht durch ein Seitenfenster, zurückhaltende Farben, glaubwürdige Gebrauchsspuren. Ruhige Aufnahme auf Augenhöhe, Querformat. Keine Personen und keine Schrift.

Alles soll perfekt aussehen

Für eine natürliche Bildwirkung können leichte Unregelmäßigkeiten sinnvoll sein: benutzte Arbeitsflächen, unterschiedliche Materialien oder eine beiläufigere Anordnung.

Das bedeutet nicht, wahllos Schmutz oder Fehler hinzuzufügen. Die Details sollten zur Szene passen. Und wenn du deine tatsächlichen Räume, Produkte oder Mitarbeiter zeigen möchtest, ist ein echtes Foto häufig die passendere Wahl. Ein generiertes Symbolbild dokumentiert deinen Betrieb nicht.

Das Gesamtbild gefällt – die Details werden übersehen

Schau vor der Veröffentlichung genauer hin: Sind Gegenstände plausibel aufgebaut? Passen Spiegelungen und Schatten? Stimmen Beschriftungen? Funktionieren Hände und Werkzeuge auch bei näherem Hinsehen? Plane außerdem den Einsatzzweck ein. Ein Beitragsbild im Querformat braucht einen anderen Ausschnitt als eine Instagram-Story. Für Text solltest du ausreichend ruhige Fläche vorsehen. Exakte Logos und wichtige Beschriftungen würde ich anschließend kontrolliert im Layout ergänzen.

Ein einfacher Startprompt für deinen nächsten Text

Ich brauche einen [Texttyp] zum Thema [Thema].
Der Text richtet sich an [Zielgruppe] und soll [Ziel] erreichen.
Diese Informationen sollen enthalten sein: [Fakten und eigene Erfahrungen].
Schreibe in folgendem Ton: [konkrete Beschreibung oder eigene Textprobe]. Der gewünschte Umfang ist [Länge].
Erfinde keine Fakten, Erfahrungen oder Leistungsversprechen. Wenn wesentliche Informationen fehlen, stelle mir vor dem Schreiben gezielte Fragen.
Passe die Vorlage an die Aufgabe an. Für eine kurze Mail brauchst du weniger Vorgaben als für einen Fachartikel.

Und bevor du das Ergebnis veröffentlichst, stell dir eine letzte Frage: Erfährt mein Leser hier etwas Konkretes – und würde ich selbst dafür geradestehen?

Das sind erst einmal ein paar grundlegende Tipps für den Einstieg. Prompting ist eine Wissenschaft für sich: Die Möglichkeiten sind groß, aber es gibt auch viele Stellen, an denen unklare Vorgaben, falsche Erwartungen oder ungeprüfte Ergebnisse in die falsche Richtung führen können. Wie zum Beispiel meine “geliebte” KI-Poster-Seuche.

Ein Gefühl dafür entwickelt sich mit der Zeit. Durch Ausprobieren, Nachfragen, Vergleichen und Überarbeiten lernst du, welche Angaben helfen und wo du selbst nacharbeiten musst. Du musst nicht von Anfang an den perfekten Prompt schreiben können. Aber wer dauerhaft gute Ergebnisse möchte, sollte bereit sein, sich mit dem Werkzeug auseinanderzusetzen und dazuzulernen.